Geburtsvorbereitungskurs Teil 3: Mögliche Probleme bei der Geburt

Der vierte Termin des Geburtsvorbereitungskurses behandelte mögliche Probleme und Komplikationen während der Geburt und was sich dagegen tun lässt, bevor zum Kaiserschnitt als letztem Mittel gegriffen wird.

Im ersten Artikel meiner Reihe über unseren Geburtsvorbreitungskurs geht es um das Organisatorische und Erwartungen an den Kurs. Der zweite Artikel behandelt die Wehen, den Geburtsvorgang und was sich vorbereitend unternehmen lässt, um beides zu erleichtern.

Nun war es Zeit, sich der Frage zu widmen, was sich machen lässt, wenn die Geburt nicht rund läuft:

Mein Eindruck war, dass sich alle Komplikationen auf vier Grundprobleme reduzieren lassen: 1. Das Kind liegt falsch. 2. Die Frau verhält sich während der Geburt falsch und arbeitet (aus Versehen!) gegen den Geburtsprozess, statt ihn zu unterstützen. 3. Das Baby passt nicht durch den Beckenknochen oder sitzt sonst irgendwie fest. 4. Die Kraft und Energie der Mutter reichen nicht.

Ein Kaiserschnitt ist grundsätzlich keine gute Idee und sollte nur als allerletztes Mittel angewandt werden. Dies hatte ich schon vorher gelesen und es wurde auch von der Leiterin des Geburtsvorbereitungskurses bestätigt. Die Gründe liegen auf der Hand: Es ist eine ernstzunehmende Operation, welche den Körper der Mutter stark belastet und immer das Risiko von Komplikationen beinhaltet. Der zweite Grund scheint mir aber fast noch wichtiger. Ein Kaiserschnitt ist für Mutter und Kind sehr belastend. Nicht nur, dass das Kind auf eine sehr unnatürliche Weise zur Welt kommt, die Mutter ist unter Narkose und in der Regel erst nach einigen Stunden wieder bei vollem Bewusstsein. Nachdem sie neun Monate eine Einheit waren, ist der Kontakt zwischen Mutter und Kind also direkt nach der Geburt für einige Stunden unterbrochen. Für das Kind ist also der Kontrast und der Schock der Geburt viel größer und die Mutter wacht auf und ist vor vollendete Tatsachen gestellt.

Ich habe vorher dafür plädiert, positiv und nicht ängstlich an die Geburt heranzugehen. Aber selbstverständlich wäre es leichtsinnig sich nicht mit den Risiken zu beschäftigen. Wer sich aber alleine (bzw. zu zweit) durchliest, was alles schief gehen kann, läuft Gefahr sich selbst verrückt zu machen. Dies dürfte auch der Grund sein, warum sich viele Frauen trotz der ganzen negativen Seiten für einen Kaiserschnitt entscheiden. Daher fand ich diese Sitzung des Geburtsvorbereitungskurses sehr gut und sinnvoll. Es hilft ungemein so etwas in der Gruppe zu besprechen, zu hören, dass es nicht der Normalfall ist und es noch eine Reihe Möglichkeiten und Techniken gibt, die verschiedenen Probleme, welche bei der Geburt auftreten können, auf natürlichem Weg zu lösen.

Leider war die konkrete Umsetzung in unserem Geburtsvorbereitungskurs nicht so gut. Die Hebamme hat ständig dafür plädiert alle Probleme mit Homöopathie zu lösen. Versteht mich nicht falsch, ich bin kein Freund der Pharmaindustrie mit ihren Chemiekeulen und versuche auf Naturmedizin im weiteren Sinn zurückzugreifen, wann immer es möglich ist. Aber Dinge, die weder eine wissenschaftliche noch eine logische Grundlage haben, sind für mich einfach nur Hokuspokus. Die Höhe war dann, als eine Frau die Leiterin wegen eines ernsthaften, medizinischen Problems um Rat bat und diese ihr die Homöopathie als einzige Lösung anpries, anstatt verschiedene Möglichkeiten zu nennen oder sie an einen Arzt zu verweisen.

Als es am Ende dann doch um „richtige“ Medikamente, wie z. B. Schmerzmittel ging, fragte meine Freundin nach den Nebenwirkungen und Risiken dieser Mittel. Nachdem die Kursleiterin zuvor die ganze Zeit erzählt hatte Homöopathie sei viel besser als die Schulmedizin, schwenkte sie auf einmal völlig um. Angeblich hätten auch die stärksten Mittel keine gefährlichen Nebenwirkungen und seien risikofrei. Dies war offensichtlich Unsinn, den laut ihrer eigenen Aussage, würden diese Medikamente nur als allerletzte Möglichkeit vor dem Kaiserschnitt eingesetzt, wenn es nicht anders ginge. Wenn sie angeblich so ungefährlich sind, warum werden sie dann nach Möglichkeit vermieden?

Ich bleibe dabei, dass es keinen Sinn hat, sich unnötige Sorgen zu machen. Aber Risiken und Nebenwirkungen einfach herunterzuspielen und zu verschweigen, finde ich fahrlässig und unverschämt! Dementsprechend war ich nach dieser Sitzung des Geburtsvorbereitungskurses ziemlich erzürnt!

Mein Fazit: Gerade das Thema Schwierigkeiten bei der Geburt zeigt, dass Geburtsvorbereitungskurse wichtig sind. Es ist sehr sinnvoll über die eigenen Bedenken zu sprechen und sich über mögliche Lösungen zu informieren. Gerade so ein sensibles Thema zeigt aber auch, dass die Qualität eines Geburtsvorbereitungskurses stark von der Person abhängt, welche ihn leitet.

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